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Stellungnahme zu Fehlinformationen des Vereins "Rettet den Mitteldamm"

16. August 2019

Der Verein «Rettet den Mitteldamm» verteilte mehrfach Flyer in Briefkästen und in öffentlichen Zonen. Dabei geht es um das Projekt von Eniwa zur Optimierung des Wasserkraftwerks Aarau. Auf den besagten Flyer sowie auf der Website www.rettet-den-mitteldamm.ch verbreitet der Verein falsche Zahlen und Fehlinformationen zum Projekt.

Stellungnahme zu Fehlinformationen des Vereins "Rettet den Mitteldamm"

Am 26. Juni verschickte Eniwa eine Medienmitteilung mit Richtigstellung der Fehlinformation auf dem Flyer. Diese erhielt auch der Vorstand des Vereins «Rettet den Mitteldamm». Auch ein Gespräch zwischen Eniwa und dem Vorstand des Vereins Mitte Juli führte leider zu keiner Anpassung der einseitigen Betrachtung des Projekts und der Fehlinformationen auf der Website. Deshalb sieht sich Eniwa nun gezwungen, die Öffentlichkeit darüber zu informieren und lädt sie dazu ein, sich vollumfänglich über das Projekt zu informieren. Alle Informationen zum Projekt «Optimierung Kraftwerk Aarau» finden sich unter www.eniwa.ch/wasserkraft. Der Mitwirkungsbericht des Kantons Solothurn ist auf der Website des Amts für Raumplanung (www.arp.so.ch) öffentlich einsehbar. Zurzeit befinden sich die Projektunterlagen mit den beiden Projektanpassungen bei den beiden Kantonen Aargau und Solothurn zu Vorprüfung. Danach erfolgt die öffentliche Auflage des Projekts.

Verein «Rettet den Mitteldamm» verbreitet Fehlinformationen
Eniwa hat vom Verein «Rettet den Mitteldamm» Kenntnis genommen und den Vorstand zu einem Gespräch eingeladen. Trotzdem werden durch den Verein weiterhin Flyer verteilt, welche Fehlinformationen über das Projekt enthalten. Gerne möchte Eniwa diese Informationen richtigstellen und auch auf Tatsachen hinweisen, welche auf dem Flyer nicht enthalten, für die Beurteilung der Rahmenbedingungen jedoch wichtig sind: (vgl. auch Tabelle im untenstehenden Downloadbereich für ausführliche Information)

  • Mitteldamm -> geringere Produktion -> fehlende Fördergelder -> höherer Strompreis
    Die Produktionssteigerung durch die Massnahmen im Kanal ist grösser, als vom Verein behauptet. Zudem ist sie essentiell zum Erhalt der Fördermittel des Bundes, was zur besseren Wirtschaftlichkeit des Projekts führt. Ohne die Fördergelder würde sich der Strompreis für die Kunden um rund 20 Prozent erhöhen.
  • Photovoltaik ist keine Alternative
    Die Aussage «Mit Photovoltaikanlagen könnte, bei gleichem finanziellem Aufwand, doppelt so vielStrom produziert werden» ist absolut falsch: Es bräuchte drei Mal so viel Geld und eine enorme Menge geeigneter Dachflächen (rund 13'400 m2). Zudem ist Solarstrom keine Bandenergie und nicht Tag und Nacht sowie gleichermassen in den Wintermonaten verfügbar, wie dies die Wasserkraft ist. Photovoltaik ist damit ohne Ergänzung kein gleichwertiger Ersatz für die Laufwasserkraft. Zusätzlich zu berücksichtigen: Die Konzessionsdauer des Kraftwerkes beträgt 68 Jahre, die Lebensdauer einer Photovoltaikanlage maximal 30 Jahre.
  • 58 Massnahmen überkompensieren den ökologischen Verlust des Mitteldamms
    Aussagen wie «durch das Projekt geht naturnahe Uferbestockung und wertvoller Naherholungsraumverloren» und «die geplanten Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen sind keine Kompensationen für die Entfernung des Mitteldamms, sondern sind aufgrund der heute gültigen Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes erforderlich» sind emotional getrieben und falsch. Eniwa realisiert 58 Massnahmen in zahlreichen Bereichen und erzielt damit sogar eine Überkompensation des Verlusts durch die Mitteldammentfernung.
  • Keine Einschränkungen für Schwimmer, Jogger, Fussgänger
    Das Schwimmen wird auch ohne den Mitteldamm möglich sein. Es entsteht ein breiterer Flusslauf mit geringerer Fliessgeschwindigkeit. Zudem realisiert Eniwa zusätzliche Ein- und Ausstiegsmassnahmenfür Schwimmer und baut sanitäre Anlagen wie Toiletten und Duschen. Eniwa gibt eine Fläche von über 14'000 m2 auf (ehemaliger Werkhof), welche teilweise renaturiert oder als Wasser- und Erlebnisspielplatz der Bevölkerung zugänglich gemacht wird. Eine neue Wegverbindung (Naturweg)
    verspricht angenehmes Spazieren und Joggen vom Kraftwerk zum Wehr.
  • Kann der Mitteldamm gerettet werden?
    Für die Teilentfernung von 750 Meter der insgesamt 1600 Meter des mehr als 100 Jahre alten, künstlich erstellten Mitteldamms, liegt bereits eine rechtskräftige Bewilligung (Projekt 2013) vor. Diese Entfernung ist Teil der bestehenden Konzession bis 2085. Nun geht es um den unteren Teil (näher beim Kraftwerk). Dagegen könnte gegebenenfalls im Rahmen der Auflage noch Einsprache erhoben werden. Es käme zu einer Interessensabwägung zwischen dem Erhalt der unteren Hälfte des
    Mitteldamms und der wichtigen zusätzlichen Stromproduktion und Wirtschaftlichkeit des Projekts. Sämtliche Eingriffe in die Natur und auch den Wegfall der Nutzungsmöglichkeiten wurden aus Sicht Eniwa und der beigezogenen Fachspezialisten durch die insgesamt 58 Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen deutlich überkompensiert. Ein Gerichtsverfahren könnte das Projekt verzögern und auch dazu führen, dass die Fördergelder des Bundes für andere Projekte eingesetzt würden. Und
    hätte damit unter Umständen bedeutenden Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts und auf die künftigen Strompreise.

Mitteldamm für wenige = höhere Strompreise für alle
Eniwa nimmt die Diskussion um den Mitteldamm ernst. Genau wie alle anderen Bedenken, Wünsche und Ideen aus der Bevölkerung, welche im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens entgegengenommen und geprüft wurden. Mitglieder des Verwaltungsrates und auch zahlreiche Mitarbeitende von Eniwa sind in Aarau aufgewachsen und geniessen das Spazieren auf dem Mitteldamm oder das Schwimmen in der Aare unter den Ästen hindurch. «Eniwa kann gut verstehen, dass der Mitteldamm eine Herzensangelegenheit ist. Unsere Aufgabe ist es jedoch, das Projekt optimal unter Einbezug energiepolitischer sowie ökologischer und ökonomischer Rahmenbedingungen umzusetzen. Mit der Energiestrategie 2050 des Bundes steigt die
Bedeutung von Energie aus Schweizer Wasserkraft als einzige Bandenergie für die zukünftige Energieversorgung nach Abschaltung der Kernkraftwerke. Die Produktionssteigerung der bestehenden Wasserkraftwerke ist dabei von zentraler Bedeutung. Aufgrund der tiefen Marktpreise und der hohen Abgaben in Form von Wasserzinsen und Heimfallverzichtsentschädigungen ist die Wasserkraft heute nicht rentabel. Damit trotzdem die Produktionskapazitäten jetzt erneuert und ausgebaut werden hat der Bund ein befristetes Förderprojekt für die Grosswasserkraft geschaffen, welches die hohen Abgaben zumindest teilweise etwas kompensieren soll. Entgegen der Behauptungen des Vereins «Rettet den Mitteldamm», hat Eniwa selbstverständlich Alternativen wie zum Beispiel die Aufweitung des südlichen Kanals 1 sowie die Verbreiterung des nördlichen Kanals 2 geprüft. Könnten wir diese Leistungssteigerung anders so effizient erzielen wie mit der vollständigen Entfernung des Mitteldamms, würden wir dies tun», so Dr. Hans-Kaspar Scherrer, CEO von Eniwa.

Warum ist die Leistungssteigerung so wichtig?
Eniwa hat zahlreiche Alternativen zur Entfernung des restlichen Mitteldamms geprüft. Die dringend benötigte Steigerung der Produktion kann jedoch nicht anderweitig erzielt werden. Ohne die aus der Kanaloptimierung resultierende Produktionssteigerung erzielt das Projekt nicht die erforderliche Menge von über 20 Prozent Mehrproduktion gegenüber heute, womit auch der Zugang zu den Fördermitteln des Bundes im Wert von über 30 Millionen entfällt. Die Stromproduktion im Wasserkraftwerk würde sich also verteuern, was sich wiederum auf den Strompreis und somit auf die Stromkosten jedes einzelnen Kunden auswirkt. Doch nebst den wirtschaftlichen Aspekten, ist die Produktionssteigerung auch ökologisch wichtig. Die Energiestrategie 2050 des Bundes, die ESAK-Initiative des Aarauer Stimmvolkes und die Eignerstrategie der Stadt Aarau geben Eniwa klare und auch demokratisch abgestimmte Zielsetzungen vor: Die Produktion von erneuerbarer Energie
soll möglichst auch im Versorgungsgebiet ausgebaut werden. Selbstverständlich investiert Eniwa auch in andere Produktionsanlagen, wie zum Beispiel im Bereich der Photovoltaik. Jedoch ist Wasserkraft die einzige ökologische Bandenergie. Sie liefert ganzjährig, auch nachts sowie bei Schlechtwetter, zuverlässig erneuerbare Energie. Insgesamt deckt das Wasserkraftwerk Aarau nach der Erneuerung rund 25 Prozent des im Versorgungsgebiet der Eniwa AG benötigten Stroms ab und stellt, nach heutigen Erkenntnissen und Technologien, die einzige, heute umsetzbare, grössere Produktionsanlage dar. Damit hat das Kraftwerk Aarau eine strategische Bedeutung für die Stromversorgung der Region Aarau mit knapp 100'000 Einwohnern.

Warum werden die Projektänderungen nötig?
Eniwa hat 2008 erste Planungsarbeiten für die Neukonzeption des Kraftwerks in Angriff genommen. Zu diesem Zeitpunkt war weder die Thematik Fischabstieg noch die Energiestrategie mit dem maximalen Ausbau der Wasserkraft im Pflichtenheft des Projekts. Aufgrund der grossen Bedeutung beider neuen Anforderungen hat sich Eniwa 2017 entschieden, das bewilligte Kraftwerkserneuerungsprojekt 2013 nochmals in zwei Punkten anzupassen:

  • Anstelle eines etappierten Umbaus der heutigen Kraftwerkszentralen 1 und 2 soll nur noch eine neue Zentrale mit drei baugleichen Bulb-Turbinen gebaut werden. Die zweite für 2035 vorgesehene Bauetappe für die Erneuerung der zweiten Kraftwerkshalle entfällt vollständig. Das neue Konzept erlaubt es, spätere Anpassungen für die Fischlenkung und den Fischabstieg vor den drei Turbinen einzubauen und trotzdem jederzeit die Hochwasserklappen zu öffnen und damit den Kanal zur Hochwasserableitung mit zu nutzen. Da für die tief unter der Wasserlinie liegenden Rohrturbinen keine Hallen mehr benötigt werden, wird das neue Kraftwerk nur noch mit minimalen Aufbauten über der Wasserlinie sichtbar sein und eine neue Transparenz im Aareraum schaffen.
  • Die zweite Anpassung beinhaltet den Rückbau der unteren Hälfte des Mitteldamms. Im Projekt 2013 wurde bereits der hälftige Rückbau des Mitteldamms (obere Hälfte vom Wehr bis zur Mitte) beantragt und auch von beiden Kantonen bewilligt. Nun soll der Mitteldamm ganz entfernt und die Strömung im Kanal so optimiert werden, dass beim Kraftwerk die Stauhöhe um über 50 cm erhöht werden kann. Zusammen mit der bewilligten Stauquotenerhöhung beim Wehr von +7cm gemäss der neuen Konzession 2018, ergibt sich aus der Kanaloptimierung eine Mehrproduktion von jährlich 7.7 GWh oder rund ein Drittel der Mehrproduktion von 22 GWh.

Alle Informationen zum Projekt "Optimierung Kraftwerk Aarau" inklusive Mitwirkungsbericht und Präsentation der öffentlichen Veranstaltungen sind der Bevölkerung zugänglich: www.eniwa.ch/wasserkraft.