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Verein "Rettet den Mitteldamm" verbreitet Fehlinformationen

26. Juni 2019

Der Verein "Rettet den Mitteldamm" verteilte diese Woche Flyer in Briefkästen. Dabei geht es um das Projekt von Eniwa zur Optimierung des Wasserkraftwerks Aarau. Auf dem besagten Flyer sowie auf der Website www.rettet-den-mitteldamm.ch verbreitet der Verein falsche Zahlen und Fehlinformationen zum Projekt.

Verein "Rettet den Mitteldamm" verbreitet Fehlinformationen

Die bestehende Konzession für das Wasserkraftwerk Aarau wird seit Beginn 2018 für weitere 68 Jahre durch Eniwa fortgeführt. 2013 erfolgte die öffentliche Auflage des Konzessionsgesuchs und des Projekts. Für dieses Projekt, welches auch die Teilentfernung (750 von insgesamt 1600 Meter) des Mitteldamms beinhaltet, liegt bereits eine rechtsgültige Bewilligung vor. Seit Beginn der Planung und der Auflage des Projekts im Jahr 2013 haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Deshalb hat Eniwa das Projekt weiterentwickelt und hinsichtlich des möglichst kontinuierlichen Betriebs bis zum Ende der Konzessionsdauer 2085 optimiert. Die Änderungen wurden im Januar 2019 der Begleitgruppe und der Öffentlichkeit vorgestellt. Vom 11. Januar bis zum 20. Februar 2019 fand im Kanton Solothurn die öffentliche Mitwirkung statt. Nach Prüfung der Eingaben aus der Mitwirkung, erarbeitete Eniwa weitere Optimierungen und 10 zusätzliche Ausgleichsmassnahmen. Diese wurden der Bevölkerung am 17. Juni 2019 vorgestellt und fanden mehrheitlich positiven Anklang. 

Steigerung der Produktion ist für die langfristige Versorgung und Wirtschaftlichkeit des Projekts essentiell
Die Produktionssteigerung ist sowohl für die Stromversorgung wie auch für die Wirtschaftlichkeit des Projekts enorm wichtig. Derzeit gibt es keine wirtschaftlichen Alternativen für die erneuerbare Bandenergieproduktion im Versorgungsgebiet von Eniwa. Gerade die Stromproduktion im Winter wird in 20 Jahren nach dem Abschalten der Kernkraftwerke zu einer grossen Herausforderung werden. Das Projekt Optimierung Kraftwerk Aarau ist bestmöglich gestaltet, sodass das Kraftwerk auch bei einer Strommarktöffnung möglichst wirtschaftlich betrieben werden kann. Vieles hängt jedoch auch von den Fördergeldern und den zukünftigen Konzessionsabgaben ab. Die Entfernung des Mitteldamms spielt für die Wirtschaftlichkeit und somit auch künftigen Strompreisen für die Aarauer Bevölkerung eine entscheidende Rolle: Mit dem Einsatz der drei neuen Rohrturbinen und der Strömungsoptimierung im Kraftwerkskanal inklusive der vollständigen Entfernung des Mitteldamms wird trotz Verdopplung der Restwassermenge im Aare-Altlauf ab 1.1.2020 eine Produktionssteigerung von 22 GWh pro Jahr erreicht. Somit erfüllt das Kraftwerk die Anforderung einer erheblichen Erweiterung, für welche der Bund einen Förderbeitrag von bis zu 35 Prozent der anrechenbaren Kosten ausrichten wird. Das nächste Zeitfenster für die Eingabe eines solchen Fördergesuchs ist Mitte 2020, das übernächste Mitte 2022.

Im besten Fall beträgt die Förderung ein Drittel der über die Laufzeit zu entrichtenden Abgaben an die Kantone SO und AG. Die Abgaben liegen also immer noch deutlich höher als die zu erwarteten Förderbeiträge des Bundes. Netto sind es fast 100 Millionen Franken, welche Eniwa während der Konzessionsdauer an die beiden Kantone abliefern wird. Sollten die Förderbeiträge wegen einer zu geringen Mehrproduktion nicht gesprochen werden können, würde sich der Strom während der ganzen Konzessionsdauer bis 2085 um rund 1.7 Rp pro Kilowattstunde verteuern.

Auch ohne Fördermittel rechnet sich die vollständige Entfernung des Mitteldamms und die Strömungsoptimierung im Kanal mit Kanalwandsanierung und Niederwasserrinne. Der Ertrag aus der Mehrproduktion über die gesamte Konzessionsdauer beträgt mit den heutigen Strompreisen gerechnet rund CHF 28 Millionen. Damit ist der Ertrag mehr als zwei Mal höher als der gesamte Aufwand für die Strömungsoptimierung im Kanal inklusive der erforderlichen Ersatzmassnahmen.

Wie wird die Produktionssteigerung erreicht?
Die Steigerung der Produktion um insgesamt 22 GWh oder 21 Prozent wird durch folgende Massnahmen erreicht:

Neue Turbinen (Massnahme 1)                                                                          +14.3 GWh/a                  (+14%)

- 3 neue Bulb-Turbinen (getriebelos), neue Dotierturbine

Strömungsoptimierung Kanal (Massnahme 2)                                                +7.7 GWh/a                (+7%)

- Stauzielerhöhung um 6cm (Gefälls-Erhöhung)

- Komplette Entfernung Mitteldamm (Reduktion der Reibungsverluste, Querschnittvergrösserung)

- Niederwasserrinne im Kanal (Reduktion der Reibungsverluste, Querschnittvergrösserung)

Die Strömungsoptimierung im Kanal führt dazu, dass im vergrösserten Kraftwerkskanal weniger Gefällsverlust entsteht und damit vor dem Kraftwerk mehr Gefälle zur Stromproduktion vorhanden ist. Zusammen mit dem Höherstau von 6 cm beim Wehr (Stauquote 370.60 m) beträgt der Gefällsgewinn 59cm. Um die Kategorie "erhebliche Erweiterung" zu erreichen, ist eine Produktionssteigerung von über 20% erforderlich. Nur mit den beiden geplanten Massnahmen ist diese Steigerung zu erreichen.

Schweizer Wasserkraft: Einzige erneuerbare Energie, die Tag und Nacht verfügbar ist
Eniwa nimmt die Diskussion um den Mitteldamm ernst. Genau wie alle anderen Bedenken, Wünsche und Ideen aus der Bevölkerung, welche im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens entgegengenommen und geprüft wurden. Mitglieder des Verwaltungsrates und auch zahlreiche Mitarbeitende von Eniwa sind in Aarau aufgewachsen und geniessen das Spazieren auf dem Mitteldamm oder das Schwimmen in der Aare unter den Ästen hindurch. "Eniwa kann gut verstehen, dass der Mitteldamm eine Herzensangelegenheit ist. Unsere Aufgabe ist es jedoch, das Projekt optimal unter Einbezug ökologischer und ökonomischer Rahmenbedingungen umzusetzen. Mit der Energiestrategie 2050 des Bundes steigt die Bedeutung von Energie aus Schweizer Wasserkraft als einzige Bandenergie für die zukünftige Energieversorgung nach Abschaltung der Kernenergie. Die Produktionssteigerung und auch die Nutzung der derzeit angebotenen Fördermittel sind dabei enorm wichtig. Entgegen der Behauptungen des Vereins "Rettet den Mitteldamm", hat Eniwa selbstverständlich Alternativen wie zum Beispiel die Verbreiterung des Kanals 2 geprüft. Könnten wir diese Leistungssteigerung anders so effizient erzielen wie mit der vollständigen Entfernung des Mitteldamms, würden wir dies tun.", so Hans-Kaspar Scherrer, CEO von Eniwa.

Verein "Rettet den Mitteldamm" verbreitet Fehlinformationen
Eniwa hat vom Verein "Rettet den Mitteldamm" Kenntnis genommen und den Vorstand zu einem Gespräch eingeladen. Diese Woche wurden durch den Verein Flyer in Briefkästen verteilt, welche Fehlinformationen über das Projekt enthalten. Gerne möchte Eniwa diese richtigstellen. (vgl. nachfolgende Tabelle)

Fehlinformation Flyer

Richtigstellung Eniwa

"…dank neuen Turbinen auch die Stromproduktion auf 117% steigern. Mit einer weiteren "Optimierung" des Aareraums -der vollständigen Entfernung des 1,6 km langen Mitteldamms -will die ENIWA zusätzlich 3-4% Mehrstrom produzieren."

Produktionssteigerung insgesamt: +21% oder 22.0 GWh/a

  • Davon Mehrproduktion durch Kanaloptimierung:
    +7% oder 7.7 GWh/a
  • Davon Mehrproduktion durch neue Turbinen:
    +14% oder 14.3 GWh/a

Die Massnahmen im Kanal machen rund 1/3, die neuen Turbinen 2/3 der Produktionssteigerung aus. Insgesamt wird die Produktion von 107 GWh/a auf 129 GWh/a gesteigert.

"Die schweizweit einzigartige Schwimmstrecke und der Kanal als kulturhistorisch bedeutendes Bauwerk, …"

Der Kanal ist kein kulturhistorisches Bauwerk und auch nicht behördlich geschützt. Die Schwimmstrecke bleibt erhalten. Das Schwimmen im Kanal ist auch ohne Mitteldamm möglich und dank reduzierter Fliessgeschwindigkeit sogar sicherer. Zudem realisiert Eniwa auf eigene Kosten Ein- und Ausstiegshilfen sowie sanitäre Anlagen entlang des Kanals.

"Laut ENIWA kostet der Dammabbau 6,3 Mio. Franken. Dadurch soll ein jährlicher Zusatzertrag von Fr. 240'000.- erwirtschaftet werden."

Der Zusatzertrag beträgt, bei 6 Rp./kWh und 7.7 GWh, rund 462'000.- Franken. Die 6.3 MCHF sind für die vollständige Entfernung des Mitteldamms gerechnet. Die Mehrproduktion muss dann auch für die vollständige Entfernung des Mitteldamms und nicht nur für die 2. Hälfte Entfernung berücksichtigt werden.

"Mit dem gleichen Geld könnte die ENIWA bereits heute doppelt so viel Strom aus Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Stadt Aarau produzieren."

Gemäss den Erfahrungswerten der Eniwa für den Bau von PVA’s können mit 6.3 Millionen Franken ca. 2.25 GWh Solarproduktion in der Region installiert werden. Dies entspricht ca. 30% der 7.7 GWh, welche durch die Kanaloptimierung erreicht wird. Es bräuchte also drei Mal so viel Geld und eine enorme Menge geeigneter Dachflächen (rund 13'400 m2). Zudem ist Solarstrom keine Bandenergie und nicht Tag und Nacht sowie gleichermassen in den Wintermonaten verfügbar, wie dies die Wasserkraft ist. Photovoltaik ist damit kein gleichwertiger Ersatz für die Laufwasserkraft.

"Das gesamte Projekt kostet-ohne Dammabbau

-134 Mio. Franken."

Das gesamte Projekt, inklusive Rückbau des kompletten Mitteldamms und Umsetzung aller 58 Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen, kostet 135 Millionen Franken.

"Das Kraftwerk Aarau soll weiterhin Teil einer Symbiose von Technik, Erholungs- und Naturraum für Menschen, Tiere und Pflanzen bleiben"

Mit den 58 Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen ist das Projekt eine sehr gute Symbiose zwischen Technik, Erholungs- und Naturraum. Optisch wird sich der minimalistische Aufbau der neuen Kraftwerkszentrale wunderbar in die Natur einfügen und eine freie Sicht auf die Aare gewähren. Eniwa gibt eine Fläche von über 14’000m2 auf (ehemaliger Werkhof), welche teilweise renaturiert oder als Wasser- und Erlebnisspielplatz der Bevölkerung zugänglich gemacht wird. Eine neue Wegverbindung (Naturweg) verspricht angenehmes Wandern abseits der asphaltierten Kanaluferstrassen vom Kraftwerk zum Wehr.

 

Alle Informationen zum Projekt "Optimierung Kraftwerk Aarau" inklusive Mitwirkungsbericht und Präsentation der öffentlichen Veranstaltungen sind der Bevölkerung zugänglich: www.eniwa.ch/wasserkraft.